Lfd. Nr.: 30/2012
Datum: 22. November 2012
Alarmzeit: 10:21 Uhr
Einsatzdauer: 0 Minuten
Stichwort: B:Landwirt
Einsatzort: Hohenfinow,
Mannschaftsstärke:
Fahrzeuge: LF16TS
Weitere Kräfte: Amtswehrführung, Ortswehr Golzow, Ortswehr Hohenfinow, Ortswehr Liepe, Ortswehr Lüdersdorf, Ortswehr Lunow, Ortswehr Oderberg, Ortswehr Parstein, Polizei


Einsatzbericht:

Bericht der MOZ

Großbrand: Historische Scheune fällt Flammen zum Opfer

Hohenfinow (MOZ) Es ist der dritte Großbrand innerhalb von drei Tagen in der Region: Gestern brannte die “Rote Scheune”, die zum Agrarbetrieb Hohenfinow gehört, komplett nieder. Ein Übergreifen der Flammen auf das unmittelbar benachbarte Wohnhaus konnten die Feuerwehren verhindern. Mithin: Der materielle Schaden ist immens.

“Es ist wie beim letzten Brand vor einigen Jahren”, ringt Gudrun Kindermann um Fassung. In einer Ecke habe es angefangen, von dort breitete sich das Feuer rasend schnell aus, es erfasste die Ballen und schon stand die gesamte Scheune lichterloh in Flammen. Inzwischen ist vom historischen Backsteinbau am Karlswerker Weg, am Hohenfinower Ortseingang, kaum mehr etwas übrig und fast der gesamte Wintervorrat an Futter und Einstreu der örtlichen Agrargesellschaft ist vernichtet.

Ein Passant habe das Feuer am Morgen auf der Fahrt nach Eberswalde entdeckt, erzählt die Frau des Seniorchefs. Da die Scheune direkt an ein Wohnhaus grenzt, habe der Mann zuerst “die Oma geweckt”. Im Karlswerker Weg 1 wohnt eine knapp 80-jährige Rentnerin, die unterdessen bei Tochter und Schwiegersohn im Ort untergekommen ist.

Im “Schutz des Anwesens” sah denn auch die Feuerwehr des Amtes Britz-Chorin-Oderberg bei ihrem Eintreffen kurz nach 6.30 Uhr ihre vordringlichste Aufgabe, erklärt Einsatzleiter Rainer Hähnel, zugleich stellvertretender Amtswehrführer. Zum einen drohten die Flammen überzugreifen auf das Nachbargrundstück, zum anderen stand zu befüchten, dass Scheunenteile auf das kleine Eigenheim stürzen. “Also galt zunächst einmal unsere Aufmerksamkeit dem Wohnhaus”, so Hähnel.

“Bloß gut, dass niemand verletzt wurde”, sind denn auch Gudrun Kindermann und ihr Sohn Thomas froh. Trotz des großen Schadens sprechen sie vom “Glück im Unglück”. Auch Tiere waren diesmal nicht in Gefahr. Anders als 2008, da ebenfalls eine Scheune des Unternehmens abbrannte, wie sich die Familie leidvoll erinnert.

Alarmiert worden waren die Feuerwehren um 6.25 Uhr. Die ersten Einsatzkräfte, die vor Ort sind, sind die Hohenfinower. Es folgen die Löschgruppen aus Liepe, Oderberg, Parstein und Lunow. “Schon in Tornow habe ich das Feuer gesehen”, berichtet Amtsbrandmeister René Dörbandt. Im Notruf hieß es: “Brennt in voller Ausdehnung”. Und “genau so war es”, sagt der Britzer. Später ordern er und Rainer Hähnel noch die Wehren Britz, Golzow und Lüdersdorf nach. Zeitweise sind 40 Einsätzkräfte und mehr aktiv: sie löschen, brechen kontrolliert den Scheunengiebel ab, sichern. Mit der Bereitstellung von Löschwasser habe es keine Probleme gegeben, so Dörbandt auf Anfrage der MOZ. Über zwei Unterflur-Hydranten sowie einen Teich war stets für das notwendige Nass gesorgt. Und auch Klaus Kindermann, Senior-Chef des Agrarunternehmens, lobt – trotz der Verluste für seinen Betrieb – den Einsatz der Blauröcke. “Die waren sofort da. Da kann man überhaupt nichts sagen.” Am Nachmittag, gegen 14.30 Uhr, übernimmt Kindermann mit seinen Mitarbeitern die Brandwache.

Gleichwohl: Die Flammen haben die Scheune komplett zerstört. Das Bauwerk war gut 100 Jahre alt, ein “schöner alter Backsteinbau” – deshalb auch “Rote Scheune” genannt. Diese historische Bausubstanz könne man ohnehin nicht ersetzen. Die sei unwiederbringlich verloren, stellt Gudrun Kindermann fest.

In der Halle lagerten um die 2000 Ballen: etwa 1500 Ballen Heu und 600 Ballen Stroh. “Fast der gesamte Wintervorrat an Futter für die Rinder und an Einstreu”, erklärt Sohn Thomas Kindermann. Statt Überstunden aus der Saison abzubauen, müssten die Angestellten nun noch mal ran und länger arbeiten. Vielleicht müsse man auch Futter zukaufen. Ein Ballen koste um die 50 Euro.

“Wir hatten wirklich großes Glück”, zeigt sich Gudrun Kindermann traurig und dankbar gleichermaßen. “Es war keine Elektrik in der Scheune. Sonst wäre das Ganze noch viel schlimmer ausgegangen.” Eine Selbstentzündung schließt sie eigentlich aus: “Unsere Männer haben täglich die Temperatur in der Scheune kontrolliert.”

René Dörbandt kann zur möglichen Ursache des Brandes keine Angaben machen. Die Polizei war vor Ort, habe die Ermittlungen aufgenommen. Das Ergebnis bleibe abzuwarten. Aufgrund des Einsatzes war die B 167 im Bereich des Hohenfinower Ortseingangs zeitweise halbseitig gesperrt.

Für die Freiwillige Feuerwehr Britz-Chorin-Oderberg war dies nach Angaben der Amtswehrführung neben dem Strohmietenbrand im März in Stolzenhagen der größte Brandeinsatz 2012. In diesem Jahr mussten die Männer und Frauen bislang mehr als 150 Mal ausrücken – auch zu technischen Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen sowie bei Sturmschäden. Dabei waren die Einsätzkräfte vier Mal mit Todesopfern konfrontiert.

Familie Kindermann hat den einstigen Gutshof, der eng mit dem Namen Bethmann Hollweg verbunden ist, vor Jahren erworben und dort einen modernen Agrarbetrieb aufgebaut.

Bilder der MOZ:

https://www.moz.de/galerie/uebersicht/g3/170959/170960